“Zapaska” vertont “Diplomatentasche” in München

Alt trifft auf jung, Film trifft auf Musik, Ukraine trifft auf Deutschland.

Zapaska vertont "Diplomatentasche"

Zapaska im Rationaltheater mit der “Diplomatentasche”

Dass man die Kunstarten, die Länder, die Epochen so gut mit einander verbinden kann, geschieht nicht oft. Facebook der Allmächtige hat aber möglich gemacht, dass wir von den beiden Musiker aus der Ukraine, Jana und Pavlo, überhaupt erfahren haben und dass wir sie nach München holen konnten, und dass uns die Zuschauer die Türen eingerannt haben.

Aber eins nach dem anderen. Wir haben mit den beiden nicht sehr viele E-Mails ausgetauscht, da stand es schon klar, dass sie definitiv nach München kommen wollen. Da sie eh im Februar in Deutschland, Tschechien und Polen unterwegs sein werden, hat sich München für sie regelrecht angeboten.

Die Spuren verlieren sich am Euromaidan

Die Teilnehmer stehen fest, das Datum ebenfalls, dann bleibt nur noch die Adresse, wo “Zapaska” auftreten kann. Die Raumsuche für das Konzert gestaltete sich nicht leichter als eine beliebige Wohnungssuche in München: “Schreiben Sie eine Mail dem Verantwortlichen”, “Wir rufen Sie nochmals an”, “Der Raum ist schon vergeben”. Dutzende Kneipen, drei Münchener Viertel und einen verlorenen Schal später haben wir auf die Internet-Suche umgeschaltet. Wie so oft im Internet, man gelangt zuweilen auf die Webseiten, die man gar nicht erwartet hat. Eines Tages war das die Seite des Rationaltheaters. Contra spem spero, aber wir haben eine kurze Anfrage geschickt. Die Antwort hat uns überrascht: “Zapaska” sollte im Theater mit dem gleichen Film auftreten, das Konzert war Ende Februar 2014 geplant. Die Ereignisse in der Ukraine machten es für die beiden Musiker unmöglich, nach Deutschland zu kommen, so war das Konzert geplatzt. Die Verantwortlichen im Theater haben sich regelrecht gefreut, dass es fast genau nach zwei Jahren doch mit der “Diplomatentasche” und “Zapaska” geklappt hat.

Übrigens, mit dem Rationaltheater begegnet uns auch ein Stück Münchener Geschichte: Hier spielte sein erstes Soloprogramm Max Uthoff, das Theater hat sein Vater in den Sechzigern gegründet und seitdem rund sechzig Strafverfahren wegen Gotteslästerung, Beschimpfung des Staatsoberhaupts und anderen politischen Delikten über sich ergehen lassen.

Expressionismus trifft auf Postmodernismus

Wie das Konzert selber ablief, haben die Besucher gesehen, wer nicht dabei war, muss wohl nochmals kommen. Der Film von Dowzhenko liegt deutlich in der expressionistischen Tradition, die der Regisseur aus Deutschland mitgebracht hat. So ist die Handlung sehr leicht an den Gesichtern, Bewegungen, sogar an dem Wetter abzulesen. Der sämtliche Streifen kommt mit wenigen Untertiteln aus, der Rest wird non-verbal vermittelt. Die Musik von Zapaska lässt sich nur schwer beschreiben, denn das ist kein klassisches Elektro, sondern eine wilde Zugabe von unterschiedlichen Instrumenten und Effekten zu dieser elektronischen Basis. Dem Film auf der Leinwand hat die musikalische Begleitung eine neue Dimension verliehen, in der Tanz-Szene spürte man buchstäblich die “Roaring Twenties”, die Beine trugen einen in den Tanz.

Die Aufführung ist mit der Unterstützung des Rationaltheaters und des Ausländerbeirates der Stadt München durchgeführt worden.

Ausländerbeirat München

Ausländerbeirat München

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